06. November 2007

He-Man, was ist aus dir geworden?

Ein rosa Märchenprinz, der sich bei Gefahr in einen muskelbepackten Kerl in Lederriemen verwandelt, um dann mit seinen - ausschließlich männlichen - Freunden die Welt zu retten. Und heute drehen die Leute am Rad, weil Spongebob angeblich schwul macht. Wirklich, nachdem eine Generation Prinz Adam und seine halbnackten Lederfreunde mehr oder weniger intakt überstanden hat, kann man sich die Thesen über die Wirkung solcher Serien auf die ach-so-empfindliche Kinderpsyche getrost an den Hut stecken (oder in den Gürtel des Felltangas, je nach Belieben).

Stammeskrieger He-ManIch merke, dass ich langsam zur älteren Fraktion gehöre, da ich mich an die Storyline vor dem ganzen Prinz-Adam-Verwandlungsmurks erinnere. Sogar der Wikipedia-Eintrag zu He-Man erwähnt diesen Ursprung nur in einem Nebensatz. In der ersten und zweiten Generation der Action-Figuren (die man bei uns bekam, bevor die Zeichentrickserie rüberschwappte) lagen den Figuren Mini-Comics bei, die He-Man als einen Barbarenkrieger zeichneten, der seinen Stamm verließ, um in der bizarren Welt von Eternia sein Glück zu versuchen. Der gesamte Hintergrund war sehr, sehr Schwermetall-style Fantasy (was nicht verwunderlich war, so in den frühen 80ern) und ziemlich archaisch - auf eine ziemlich europäische Weise, wie ich rückblickend sagen muss. Da ich als Kind meine ersten Kontakte mit Fantasy durch eben solche Comics hatte (die vermutlich mitnichten für Kinder gedacht waren, hehe - Schwermetall, Star Fantasy, Krieger der Geisterwelt etc.), hat das meine Vorstellung von dem Genre für immer darauf geeicht.
Wenig überraschend, dass ich die Stories dieser Mini-Comics affengeil fand. He-Man & Co waren ruckzuck meine Helden, noch bevor ich wusste, wer “Conan” ist. ;)
Dann übernahmen DC die Serie und quasi über Nacht wurde aus dem mächtigen Barbarenkrieger ein Captain Marvel-Verschnitt, der sich vom sanftmütigen Prinzen per Zauberwort in den muskelbepackten Superhelden verwandelt. Oh Mann. Das schlimme ist, eigentlich mag ich Superhelden. Ich glaube, daher konnte ich als Kind den Bruch auch gut wegstecken, wenngleich ich nie mit Prinz Adam warm geworden bin (höhö).
Ich habe diese Storyline in den Hörspielen und der Zeichentrickserie akzeptiert, aber für mich galt im Spiel immer noch der archaische Ursprung - den ich wesentlich abenteuerlicher fand.

Noch schlimmer finde ich, dass z.B. die paar Jahre Unterschied, die ich zu meinem geschätzten Mitbewohner habe, ausreichen, dass dieser diese erste Version des Hintergrunds verpasst hat. Die große Mehrheit aller groß gewordenen Kinder heute kennt nur noch die DC-Version der Story und nicht mehr die überaus Fantasy-gerechte Ursprungsversion. Und von dem He-Man den die momentanen Kinder kennenlernen, will ich gar nicht anfangen. Tragisch - aber die Debilisierung der Kinder- und Jugendlichen-Unterhaltung ist wieder Material für ein eigenes Thema.

Glücklicherweise kann man die alten Stories im Netz lesen (wenn auch mit Wasserzeichen über den Illus - bäh) oder herunterladen (bessere Wahl). Es leben die alten Fans! Nostalgikern und Neugierigen durchaus zu empfehlen. Ich hatte auch bei einer erneuten Lektüre wieder Spaß dabei :D und staune, wie viele bizarre Regeln und Konformitäten es heute für Kinder/Jungendlichen-Comics gibt. Ich bin fester Überzeugung, das eine solche Serie heute nicht mehr umsetzbar ist - jedenfalls nicht für Kinder. Das war unsere Generation und scheinbar ist man der Meinung, dass unsere Kinder nicht mit solchen Helden aufwachsen sollten, wenn sie statt dessen (leidlich) verkappte Homosexuelle, grenzdebile Comicfiguren oder finstere Anti-Helden bekommen können. Ich glaube, unsere Jugend wird kaputtgeschützt.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich die Heftchen alle aufgehoben habe, und blättere die jetzt allesamt noch mal durch. *g*