He-Man, was ist aus dir geworden?
Ein rosa Märchenprinz, der sich bei Gefahr in einen muskelbepackten Kerl in Lederriemen verwandelt, um dann mit seinen - ausschließlich männlichen - Freunden die Welt zu retten. Und heute drehen die Leute am Rad, weil Spongebob angeblich schwul macht. Wirklich, nachdem eine Generation Prinz Adam und seine halbnackten Lederfreunde mehr oder weniger intakt überstanden hat, kann man sich die Thesen über die Wirkung solcher Serien auf die ach-so-empfindliche Kinderpsyche getrost an den Hut stecken (oder in den Gürtel des Felltangas, je nach Belieben).
Ich merke, dass ich langsam zur älteren Fraktion gehöre, da ich mich an die Storyline vor dem ganzen Prinz-Adam-Verwandlungsmurks erinnere. Sogar der Wikipedia-Eintrag zu He-Man erwähnt diesen Ursprung nur in einem Nebensatz. In der ersten und zweiten Generation der Action-Figuren (die man bei uns bekam, bevor die Zeichentrickserie rüberschwappte) lagen den Figuren Mini-Comics bei, die He-Man als einen Barbarenkrieger zeichneten, der seinen Stamm verließ, um in der bizarren Welt von Eternia sein Glück zu versuchen. Der gesamte Hintergrund war sehr, sehr Schwermetall-style Fantasy (was nicht verwunderlich war, so in den frühen 80ern) und ziemlich archaisch - auf eine ziemlich europäische Weise, wie ich rückblickend sagen muss. Da ich als Kind meine ersten Kontakte mit Fantasy durch eben solche Comics hatte (die vermutlich mitnichten für Kinder gedacht waren, hehe - Schwermetall, Star Fantasy, Krieger der Geisterwelt etc.), hat das meine Vorstellung von dem Genre für immer darauf geeicht.
Wenig überraschend, dass ich die Stories dieser Mini-Comics affengeil fand. He-Man & Co waren ruckzuck meine Helden, noch bevor ich wusste, wer “Conan” ist. ![]()
Dann übernahmen DC die Serie und quasi über Nacht wurde aus dem mächtigen Barbarenkrieger ein Captain Marvel-Verschnitt, der sich vom sanftmütigen Prinzen per Zauberwort in den muskelbepackten Superhelden verwandelt. Oh Mann. Das schlimme ist, eigentlich mag ich Superhelden. Ich glaube, daher konnte ich als Kind den Bruch auch gut wegstecken, wenngleich ich nie mit Prinz Adam warm geworden bin (höhö).
Ich habe diese Storyline in den Hörspielen und der Zeichentrickserie akzeptiert, aber für mich galt im Spiel immer noch der archaische Ursprung - den ich wesentlich abenteuerlicher fand.
Noch schlimmer finde ich, dass z.B. die paar Jahre Unterschied, die ich zu meinem geschätzten Mitbewohner habe, ausreichen, dass dieser diese erste Version des Hintergrunds verpasst hat. Die große Mehrheit aller groß gewordenen Kinder heute kennt nur noch die DC-Version der Story und nicht mehr die überaus Fantasy-gerechte Ursprungsversion. Und von dem He-Man den die momentanen Kinder kennenlernen, will ich gar nicht anfangen. Tragisch - aber die Debilisierung der Kinder- und Jugendlichen-Unterhaltung ist wieder Material für ein eigenes Thema.
Glücklicherweise kann man die alten Stories im Netz lesen (wenn auch mit Wasserzeichen über den Illus - bäh) oder herunterladen (bessere Wahl). Es leben die alten Fans! Nostalgikern und Neugierigen durchaus zu empfehlen. Ich hatte auch bei einer erneuten Lektüre wieder Spaß dabei
und staune, wie viele bizarre Regeln und Konformitäten es heute für Kinder/Jungendlichen-Comics gibt. Ich bin fester Überzeugung, das eine solche Serie heute nicht mehr umsetzbar ist - jedenfalls nicht für Kinder. Das war unsere Generation und scheinbar ist man der Meinung, dass unsere Kinder nicht mit solchen Helden aufwachsen sollten, wenn sie statt dessen (leidlich) verkappte Homosexuelle, grenzdebile Comicfiguren oder finstere Anti-Helden bekommen können. Ich glaube, unsere Jugend wird kaputtgeschützt.
Ich bin jedenfalls froh, dass ich die Heftchen alle aufgehoben habe, und blättere die jetzt allesamt noch mal durch. *g*
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3 Kommentare
1.
Per Dittmann schrieb am 07. November 2007 um 23:06
Ach, ich schätze, genau so, wie wir auch ganz ordentlich rausgekommen sind… (Moment. Schwinge ich mich jetzt auf, ein Musterbeispiel für irgendetwas zu sein? Na, das wäre ja noch schöner) Hm. Vermutlich merken wir nur nicht mehr, dass wir einer üblen Hirnwäsche unterzogen wurden, weil… (E. R. Stoiber: “Glücklicherweise ist es nicht bemerkt worden, weil… weil es… es ist nicht bemerkt worden.”)
Kausalzusammenhang: Ich konnte mal “Conan, der Barbar” mitsprechen und kriege heute keinen geraden Satz mehr zustande. Da ham wir es doch.
Spongebob finde ich zugegeben einigermaßen entsetzlich. Aber ich bin da eigentlich auch gar nicht so im Thema, und das ist mir auch ganz recht so.
He-Man fand ich damals doof, weil es mein kleiner Bruder war, der den DC-Verschnitt dieser Jungs dann im Fernsehen geguckt hat (also war das prinzipiell schonmal uncool)…
Außerdem hatten die damals eigentlich schon das gleiche schmerzhaft durchschaubare Marketingkonzept, dass dem ganzen Kinderkram von heute auch eigen ist - und da kann ich nicht glauben, dass es überhaupt noch Bedarf an wirklichen Geschichten gibt. Man zeige mir eine Comic-/Fernseh-/Irgendwas-Serie für unsere lieben Kleinen, die nicht zuvörderst Marketing-Gesetzen gehorcht.
Insofern glaube ich auch, dass die Frage nach pädagogical correctness nur ein wohlfeiler Weg ist, sich unliebsame Konkurrenz vom Hals zu schaffen.
Hm. Habe ich mich da gerade etwas ereifert? Tja. Ich entstamme wohl einfach der Generation Pan Tau…
Crom ist ein starker Gott! Nach meinem Tod stehe ich vor ihm und er wird mich fragen: Kennst du das Geheimnis des Stahls? Wenn ich dann keine Antwort weiß, lässt er mich hinauswerfen und lacht über mich! So ist Crom! Ein Herrscher, groß und mächtig!
Welches unserer Kinder weiß das denn überhaupt noch?!
Einen recht schönen Abend wünscht
Per
2.
Craze schrieb am 08. November 2007 um 17:31
Oh, ich glaube Conan erfreut sich immer noch ungebremster Beliebtheit. Siehe alleine das MMORPG Age of Conan oder die Comics, die meines Wissens nach immer noch erscheinen.
Conan ist ein unterblicher Mythos.
3.
phoebe schrieb am 28. Juli 2010 um 22:43
eigentlich schreibe ich nur, weil ich wissen wollte ob Du noch wach bist und ich grad nicht an Deine email rankomme, aaaaaber Du kennst mich ich hab zu allem ne Meinung oder zumindest was zu sagen. Ich las mir neulich einen Kommentar zu Penguins of Madagascar durch, in dem ein besorgter Ami-Vater seine Bedenken über Morts Fuß-Festisch äußerte und die Frage was das wohl bei den lieben Kleinen anrichten würde…
Zu all den “Kaputtschützer”: Wir brauchen glaube ich nicht darüber reden wie peinlich das Ganze ist, denn wenn Jahrhunderte mit heterosexualisierter (oder a- oder de-) Medienbefeuerung, Verbote, Strafen und Folter nicht dafür sorgen konnten, das jede/r Homosexuelle es sich ganz schnell anders überlegt, warum machen die dich eigentlich umgekehrt so wuschig?