15. Oktober 2010

Weißer Schrecken

In den Läden stehen die ersten Nikoläuse und auf Amazon gibt es ab sofort einen neuen Roman von Thomas Finn, der die Festtage aus einem komplett anderen Blickwinkel beleuchtet. Wer sich zünftig zur Weihnacht gruseln will, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben.
Zur Einstimmung gibt es einen Trailer, den meine Wenigkeit im Laufe der Woche gebastelt hat. :)

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07. Juni 2010

Into the White

Into the WhiteDer Nordcon 2010 war in jeder Hinsicht ein großartiges WE – was zum Teil auch der Verdienst der neuen Erdenstern-Scheibe ist. “Into the White” schließt die siebenteilige “Bibliothek der fantastischen Musik” ab und nimmt sich der kalten Regionen fantastischer Welten an. Ein Thema, auf das ich schon sehr lange ungeduldig gewartet habe. Erdenstern machen Musik für Rollenspiele – im Gegensatz zu einem Filmsoundtrack, der der vorgegebenen Dramaturgie einer festen Szene folgt, muss die Hintergrundmusik einer Rollenspielszene gleichzeitig dramaturgisch zu den Ereignissen passen wie auch ambivalent genug sein, um in einer Schleife gespielt werden zu können und zu einer Szene passen, die nicht einem vorgegebenen Skript folgt.

Während die vorangegangene “Into the Grey” die passende Kulisse für urbane Neondschungel und epochale Weltraumabenteuer gegeben hat, ist “Into the White” wieder ziemlich eindeutig am Fantasy-Genre orientiert. Die Stücke entführen einen in weiße Ebenen, Paläste aus klirrendem Eis und kleine Dörfer in entlegenen Bergregionen, von denen aus die Helden des Abenteuers zu Gletschern und trügerischen Bergpässen aufbrechen. Atmosphärisch pendeln die Stücke zwischen asiatischen Einschlägen und pathosgeladenen Nordmannen-Hymnen. So sollte für Eastern- wie auch Western-Fantasy etwas dabei sein.

Man merkt, das Erdenstern aus den vergangenen Alben gelernt haben und dieses Album ist ein kleines Meisterwerk, das von der bisherigen Erfahrung gut profitiert. Die Stücke sind allesamt sehr emotional und invokativ, ohne dabei der eigenen Fantasie die Show zu stehlen. Musik zur dramaturgischen Untermalung einer Szene ist im Rollenspiel ohnehin eine großartige Idee und mit Erdenstern kriegt man jetzt eine vollständige Sammlung an Musik für beinahe alle Bereiche. Es ist wirklich schwer, gute Musik für nördliche Rollenspielsettings oder Abenteuer im Packeis zu finden. Irgendwann kann niemand mehr den Soundtrack zum 13. Krieger oder “Wrath of the Lich King” hören. “Into the White” ist eine ausgezeichnete Sammlung an “kalten” Rollenspieltracks, die eigenständig genug sind, um interessant zu bleiben, aber auch nach mehrmaliger Drehung in einer Schleife noch eine bestimmte Atmosphäre tragen können.

Natürlich lässt sich das Album, wie alle anderen Scheiben der Reihe, auch wunderbar ohne eine Rollenspielrunde genießen. Ich selbst höre sie gerne beim schreiben oder der Planung für neue Abenteuer. :)

Der Kauf ist jedenfalls allen Freunden fantastischer Musik sehr zu empfehlen und für jene, die ebenfalls Abenteuer in kalten Regionen bevorzugen, ist es quasi ein Pflichtkauf. Auf der Erdenstern-Website kann man die CD sowohl kaufen, als auch in das Album hineinhören. Ich kann jedenfalls mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Warterei letztendlich mehr als gelohnt hat.

02. März 2010

Batmans neue Abenteuer und das Leben nach Superman

Bin seit einiger Zeit mit der neuen DC-Animationsserie Batman: The Brave and the Bold angefixt. Sie geht auf die gleichnamigen Team-Up-Comics der Silver-Age-Superheldencomics aus den 60ern und 70ern zurück und ist somit in keiner Weise mit den letzten DC-Serien aus dem Hause Warner Brothers vergleichbar.

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Wenn man die alten Sachen kennt, ist der neue, humorige, Stil dieser Serie gewöhnungsbedürftig, wenngleich er den damaligen Comics sehr gerecht wird (inkl. der legendären One-Liners, ohne die kein Held ein Superheld wird). Außerdem ist es wirklich nett, ein paar alte (und furchtbar durchgeknallte) Charaktere wie Killer Moth, die Metal Men oder den Angler animiert zu sehen. Das Plastic Man so etwas wie ein Standardmitglied der Besetzung ist, hilft natürlich auch. ;) Oh, und dann ist da noch die komplett gesungene Episode mit dem Music Meister! Also ja, die Serie hat ihren Charme.

Das ist aber nicht der Grund, warum ich die Serie bemerkenswert finde. Wie ich bereits schrieb, haben DC die Rechte an Superman an die Siegel-Erben verloren. Der neue Superman-Film wird vermutlich der letzte große Auftritt des Stählernen sein. In den Cartoons taucht er schon jetzt nicht mehr auf. Damit ist diese Serie die erste DC-Superheldenserie ohne Superman. Seine Existenz wird impliziert und in einer Szene ist er als Statist kurz zu sehen, aber weder er noch seine Schurken haben einen wirklichen Auftritt, noch werden sie namentlich erwähnt. Es gibt sogar eine Episode in “The Brave and the Bold” in der das Fehlen eines Supermans auf die Schippe genommen wird, als Batman auf einem fremden Planeten landet, durch dessen Atmosphäre er Superkräfte bekommt und einen hochintelligenten Schurken namens “Rohtul” bekämpft. ;) Um die Bedenken des einheimischen Batman zu zerstreuen, sagt er in einer Szene zu ihm “Believe me, if an alien came to my world doing my job, I wouldn’t like it either”.

Das DC-Universum ohne Superman wird rechtschaffen bizarr. Ohne den Stählernen sind jetzt Wonder Woman, Captain Marvel und Green Lantern die Heavy Hitters und viele interessante Schurken ergeben erzählerisch keinen Sinn mehr: Lex Luthor, Brainiac, Metallo oder Bizarro, um nur die prominentesten zu erwähnen. Die ganze Batman-vs-Superman-Rivalität entfällt aus den Handlungsbögen und Metropolis ist eine weitgehend bedeutungslose Landmarke in der fiktiven Realwelt des DC-Universums. Ich habe das Gefühl, “The Brave and the Bold” ist auch ein wenig ein Testballon von DC/WB, um zu sehen, wie weit die anderen Helden popularitätstechnisch ohne den übermächtigen Pfadfinder auskommen. Es scheint ein Leben nach Superman zu geben.

Immerhin hat das Fehlen des zweiten großen Goldesels im Superheldenlager dazu geführt, dass mehr der unbekannteren Charaktere (wie Dr. Fate, Blue Beetle oder Plastic Man) Spotlight bekommen. Die Gründung einer eigenen Entertainment-Division im letzten Jahr sollte wohl auch dazu beitragen, dass DC ihre Lizenzen schneller für neue Filme, Serien und Spiele verwenden können (die Lizenzpolitik von DC ist ohnehin im höchsten Maße arkan). Green Lantern, Jonah Hex und sogar Lobo sollen es in der näheren Zukunft auf die Leinwand schaffen. Es ist schade, dass wir vermutlich auf Superman verzichten müssen, aber der Geek in mir freut sich gleichzeitig wie ein Schneekönig auf die Auftritte der “kleineren” Superhelden, die nun ein bisschen mehr Chance auf Rampenlicht haben. Und das ist wahrscheinlich – der Stählerne wird ein klaffendes Loch im DC-Mythos lassen, das auf die ein oder andere Weise gefüllt werden will.

23. Februar 2010

Kinderzirkus

Ich hasse es wirklich, auf ein hochgehyptes Medienkarussell aufzuspringen, aber ich muss eine Meinung zu Helene Hegemann “Axolotl Roadkill” revidieren. Ich habe den, ähm, Roman nicht gelesen (und plane es in absehbarer Zeit nicht) und habe auch nicht vor irgendeine Meinung zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Das Buch mag ein brillantes Plagiat oder literarischer Dreck sein – das ganze Gebilde um die Hegemann und ihr Werk ist jedoch die reinste Performance. Erfindungen entstehen oft durch Unfälle und auf Kunst scheint das im selben Maße zuzutreffen. Die Parade, zu der sich die wundergläubigen Literaten, Verlagsmenschen und anderen selbsternannten Kultivierten haben aufreihen lassen, ist pure Realsatire.

Ein Manifest der Dummheit und geistigen Verarmung der ganzen Branche und aller Beteiligten. Wie fanatische Kultisten stürzen sie sich auf die geringe Chance eines Wunders und zerren dabei Niveau und Glaubwürdigkeit auf dem Opferaltar. In der Zwischenzeit geschehen anderswo wirkliche Wunder, von denen die Verblendeten nie etwas bemerken werden, da sie nicht aus ihren verstaubten Tempeln und Elfenbeintürmen herauskommen.
Wenn überhaupt irgendwas, dann ist der “Hegemann-Skandal” ein Weckruf für die Kulturlandschaft Deutschland. Aber wie immer bei treffenden Satiren werden sie nur von jenen verstanden, die sie nicht betreffen.

11. Januar 2010

AOL Deutschland macht dicht

Damit trifft ein, was langfristig vermutlich ohnehin zu erwarten war. Und noch mehr Onliner, die nun auf den freien Markt fließen werden, wo sich der Rest bereits staut. Es stellt sich wirklich die Frage, was können AOL an ihrem Konzept noch ändern, um der Gegenwart gerecht zu werden? Ich fürchte, dieser Rückzug wird nicht der letzte für das Unternehmen bleiben.

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