23. Februar 2010

Kinderzirkus

Ich hasse es wirklich, auf ein hochgehyptes Medienkarussell aufzuspringen, aber ich muss eine Meinung zu Helene Hegemann “Axolotl Roadkill” revidieren. Ich habe den, ähm, Roman nicht gelesen (und plane es in absehbarer Zeit nicht) und habe auch nicht vor irgendeine Meinung zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Das Buch mag ein brillantes Plagiat oder literarischer Dreck sein – das ganze Gebilde um die Hegemann und ihr Werk ist jedoch die reinste Performance. Erfindungen entstehen oft durch Unfälle und auf Kunst scheint das im selben Maße zuzutreffen. Die Parade, zu der sich die wundergläubigen Literaten, Verlagsmenschen und anderen selbsternannten Kultivierten haben aufreihen lassen, ist pure Realsatire.

Ein Manifest der Dummheit und geistigen Verarmung der ganzen Branche und aller Beteiligten. Wie fanatische Kultisten stürzen sie sich auf die geringe Chance eines Wunders und zerren dabei Niveau und Glaubwürdigkeit auf dem Opferaltar. In der Zwischenzeit geschehen anderswo wirkliche Wunder, von denen die Verblendeten nie etwas bemerken werden, da sie nicht aus ihren verstaubten Tempeln und Elfenbeintürmen herauskommen.
Wenn überhaupt irgendwas, dann ist der “Hegemann-Skandal” ein Weckruf für die Kulturlandschaft Deutschland. Aber wie immer bei treffenden Satiren werden sie nur von jenen verstanden, die sie nicht betreffen.

09. Juli 2009

Vodafone: FAIL

Vodafones peinliche Presse-VorstellungEgal was für Inhalte Vodafone auf ihrer Seite “embedded” haben und welche User auch immer dort mit dem Konzern “in Interaktion treten”, um zu “platzieren und zu posten”, die Pressevorführung, die “live” gestern ins Internet “gestreamt” wurde, war der erstaunlichste Schwall an heißer Luft und Buzzwords, den ich seit meiner Agenturzeit gehört habe.

Vodafone bietet uns, so erfahren wir, mit einer Microsite, die Teil des neuen Brandings ist (aua), “die Drehscheibe in das World Wide Web” mit der die social media plattforms angesteuert werden können – in einem bilateralen Verhältnis, natürlich, – wo die display ads und banner links hinverlinken können. Hier kann der User sich mit dem Unternehmen Vodafone auseinandersetzen und interaktiv werden. Also, nicht so stumpf und autistisch wie sonst in der Gegend herumstehen. Danke, Vodafone.

Wer das übersteht, ohne langsam einen Tumor zu entwickeln, kann sich dann von dem Repräsentanten der verantwortlichen Werbeagentur, Scholz & Friends, erklären lassen, dass Vodafone für “lean forward” steht. Also vornüberbeugen? Im Sinne von: “Bück Dich Kunde, hier kommt der Tarif?” Ich weiß nicht, ob der Werbemann mit der Sparfrisur es weiß, aber das ist, “in a nutshell”, die Entwicklung. Dass anschließend das mobile Internet mit dem Buchdruck und der Verbreitung des Christentums verglichen wird, ist zwar etwas haarsträubend, aber aus werbestrategischer Sicht noch nachvollziehbar. Auch wenn ich den Vergleich recht unglücklich finde, wenn man die Umstände der Bekehrungsmethoden bedenkt. Aber immerhin werden die Menschen dadurch “empowered”.

Wer mutig ist, kann sich das Video dazu sowie einen ganz exzellenten, begleitenden, Blog-Eintrag dazu auf dem Handelsblatt-Blog ansehen. Ich, jedenfalls, bin jetzt bereit den Mobilfunk-Anbieter zu wechseln, denn das Rot von Vodafone kann ich nicht mehr wirklich sehen. Obwohl – Vodafone hat ja im Zuge seiner Selbst-Neuentdeckung auch die Unternehmensfarbe geändert: Von Rot in… nun… äh… Rot. Das hat ein bisschen was von “des Kaisers neue Kleider”. Vielleicht gibt es aber auch eine markante Unterscheidung der Farbnuance, die dem ungeübten Auge einfach entgeht.

Um es mit den Worten der “Generation Upload” zu sagen: FAIL n00b!

16. November 2008

Außerirdisch besoffen unter’m Biertisch

Uri Geller
Chef-Mentalist und UFO-Flüsterer

Habe gestern den großen Fehler gemacht und mir Uris lustige Alien-Verarsche angesehen. Irgendwie geht mir seitdem die EAV nicht mehr aus dem Kopf: “Lag sie auch außerirdisch besoffen unter’m Biertisch und sagte nur Rhabarber, Rülps und Lall – weit entfernt von Zeit und Raum war sie doch für mich der Traum und schoss glücklich einen Korken in das All”.
Betrunken wäre das ganze wahrscheinlich auch leichter zu ertragen gewesen. Was Uri Geller, Nina Hagen, Däniken und der Rest der esoterischen Alienmystiker da abgefackelt haben, war zumindest für alle außerirdischen Lebensformen der Beweis, das es *hier* kein intelligentes Leben geben kann.

Persönlich gefallen haben mir auch die beiden angestaubten Langweiler, die von ihren wiederholten Entführungen durch Außerirdische berichtet haben – meine Güte, im Ernst, wer würde sonst was mit diesen Leuten zu tun haben wollen? Immerhin wäre das ein Beweis für die guten Absichten der Aliens, immerhin beschäftigen sie sich mit denen unter uns, die sonst auf einer Raufasertapete unsichtbar werden.

Die Krönung war allerdings der Mentalist mit dem Vogel, – Vincent Raven – der dem ehrfürchtig staunenden UFO-gläubigen in seiner stammelnd vorgetragenen Grenzdebilen-Fibel in brüchigem Deutsch und WoW-tauglichen Sin’Dorei-Elbisch erklärt hat, das die Raben nämlich keine Evolution durchgemacht haben, wie die Menschen. Zum Glück kann man für die Tiere nur sagen, wenn man sich die Ergüsse der vorherrschenden Spezies Mensch anschaut. Ich weiß ja nicht, was die für Drogen nehmen, aber ich hab mir das nur ansehen müssen, und hatte das Gefühl, ich wäre auf Droge.

Richtig surreal wurde es dann später, in “Nina Hagens UFO-Jagd”, als die schrille Skurrildiva mit einem Cowboy sprach, der sich selbst für einen Alien-Mensch-Mischling hielt. Er demonstrierte seine erstaunlichen Fähigkeiten, indem er in die Steckdose fasste – das hat er als Kind schon getan, um sich vor den Aliens zu schützen. Offenbar hat er als Kind ein paarmal zu oft in die Steckdose gefasst, würde ich sagen.
Das beste war aber der Dialog zwischen Fr. Hagen und dem Space-Cowboy, in dem er behauptete sogar mit einem Alien Sex gehabt zu haben.
Nina Hagen: “Aber die haben doch gar keine Genitalien.”
Space-Cowboy: “Ohhh Doch!”
Nina Hagen: “Oh dear…”
Wenn es dem Schrillgestein Hagen schon too much wird, ist das eigentlich ein ganz übles Zeichen. ^^

Das spannende an Fernsehunterhaltung ist ja, das immer, wenn man denkt, jetzt kann es nicht mehr dümmer werden, es doch noch ein bisschen dümmer wird. Was ist die nächste Stufe nach Uris uriger UFO-Schau? TRIz hatte eine tolle Theorie, nachdem ich sagte, dümmer wird es nur noch, wenn alle im Stil der Teletubbies sprechen, meinte sie man könnte auch eine telepathische Talkshow machen – Uri und seine Mentalistenfreunde sitzen 20 Min. im Kreis und starren sich zu dramatischer Synthie-Musik konzentriert an. Danach können Anrufer von den Gedankenwellen berichten, die sie über das Fernsehen empfangen haben. Ah, noch lachen wir… ;)
In irgendeiner Form müssen aber doch Energien und mentale Wellen durch das Fernsehgerät gekommen sein – denn ich habe nach dieser Sendung geradezu gespürt, wie meine Intelligenz zu sinken drohte. Unheimlich!

Auf spiegel.de ist auch ein schöner Artikel zu dem Thema: Außerirdisch unterirdisch.