16. Oktober 2008

Zone 30

Hier ist ein Tipp: Werdet nicht 30, denn danach fängt das Leben an, echt stressig zu werden. Das erste, was auffällt, ist die Zeitwahrnehmung – es gab Zeiten, in denen eine Woche viel Zeit war. Das hört ab 30 schlagartig auf. Einmal kurz nicht aufgepasst, zack!, eine Woche vorbei. Einmal innegehalten, wo denn die Woche hin ist, zack!, ein Monat vorbei. Man plant nicht mehr in Tagen oder Wochen, sondern in Monaten und Jahren.

Aber die sich radikal verändernde Zeitwahrnehmung ist längst nicht alles. Man hat plötzlich ein komplett undefinierbares Alter. Aus Sicht der Twens und Jüngeren ist man entweder ein alter Sack oder “technisch gesehen” noch irgendwo um die späten 20 herum. Also wird man entweder behandelt, als wenn man die Reife und Kompetenz eines Vierzigjährigen hätte (eek!) oder als wenn man noch dieselben Sorgen und Probleme wie mit 26 hätte. Für die End-Dreißiger und Vierzigjährigen wiederum ist man sowas wie ein Erwachsener auf Bewährungsprobe oder ein übriggebliebener Twen und wird entweder erstmal gar nicht wahrgenommen oder umso härter auf den Prüfstand gestellt.

Das alles in Kombination ist ein bisschen wie eine zweite Pubertät – nur ohne Stimmbruch und Akne. Irgendwie wiederholt sich doch alles im Leben. A propos Pubertät – der Umgang mit dem anderen Geschlecht wird auch nicht einfacher. Frauen um die 30 suchen plötzlich nach Eigenschaften, die Dich vorher entweder als spießig oder langweilig gebrandmarkt hätten und haben eine lange gepflegte Checkliste, nach der man bewertet wird (ja, es gibt genug Männer auf die das auch zutrifft, ich weiß). Nach einer gewissen Sammlung an Pleiten (auch “Erfahrung” genannt) ist man vermutlich aus der Experimentierlaune heraus. Es muss diesmal klappen oder gar nicht – noch mehr Zeitverlust lässt die tickende biologische Uhr nicht zu. Das kann fix ziemlich anstrengend werden. Wer jetzt noch Single ist, hat entweder Nerven wie Drahtseile, keine Freunde oder die totale Torschlusspanik. Meiner Beobachtung nach, sind die mit den starken Nerven in der eindeutigen Unterzahl. -.-

Im Ernst, es ist schwierig. Langjährige Freunde und Exen sind mittlerweile entweder verheiratet, verlobt oder zumindest bekindet, haben Haus, Hypothek und Hund und machen plötzlich einen auf Erwachsen. Wenn man da nicht mithalten kann, kommt man sich fix deplatziert vor (sofern man nicht die zuvor erwähnten Nerven wie Drahtseile hat). Mir kommt es vor, als ob ich eben erst mein Studium beendet hätte. Tatsächlich aber liegt zwischen dann und heute etliche Jahre, in denen ich auf einen bunten Katalog mehr oder weniger interessanter Jobs und gescheiterter Beziehungen zurückblicken kann. Ich habe das Gefühl, irgendwo eine Regieansage verpasst zu haben, nach der sich mein Leben irgendwie hätte grundlegend verändern sollen. Und ich weiß, das ich mit dem Gefühl nicht alleine bin. Ich sehe nirgends so viel Variation wie zwischen Dreißigjährigen. Von Pullilträgern, die das Spießbürgertum erfolgreich erreicht haben, bis hin zu denen, die sich verzweifelt an die wilde Studienzeit klammern. Es ist ohne Zweifel der Lebensabschnitt der Desorientierung.

Aber was ist das Ziel? Auf der einen Seite sind da die Erwartungen, die an einen gesetzt werden (und die man jetzt doch endlich mal erfüllen sollte) sowie das Gefühl, das einem die Zeit davonrennt. Ein Gefühl, das ja von den Medien auch nach Leibeskräften unterstützt wird. Was nützt es einem, wenn 60 das neue 40 ist, wenn man mit 30 schon als gesellschaftlich tot gilt (mit über 25 ja eigentlich schon). Auf der anderen Seite das subjektive Gefühl, eigentlich auch nicht so viel anders zu sein, als man das vor 5 Jahren auch war (mit Ausnahme der eingangs erwähnten Temporalverschiebung). Die Probleme sind jedenfalls nicht mehr dieselben – man denkt zweifelsohne ganz anders über die Zukunft nach, als vor dem Übertreten dieser magischen Grenze. Tatsächlich kommt es einem so vor, als wenn man erst jetzt wirklich wüsste, was echte Probleme sind. Alles in allem saugt der Zustand ganz fürchterlich. Ich für meinen Teil wähle daher den einfachen Weg raus und definiere mich als ewig 28. Vielleicht kriege ich mich soweit davon überzeugt, das auch die Zeit nicht mehr ganz so furchtbar schnell vergeht.

Nachtrag: Habe gerade ein tolles Morgenstern-Zitat zu dem Thema gefunden:

Es ist bitter, sich sagen zu müssen, dass man zwischen 35 und 45 zu erledigen hat, was man zwischen 45 und 60 hätte sollen erledigen können.

09. April 2008

Little Old Ones

Hmmm… Muss ich mir Sorgen machen, wenn die spielenden Kinder auf dem Hof “FTAGHN! FTAGHN!” schreien?

Da kann ich mir direkt vorstellen, wie die Sternsänger nächstes Weihnachten klingen werden.

06. November 2007

He-Man, was ist aus dir geworden?

Ein rosa Märchenprinz, der sich bei Gefahr in einen muskelbepackten Kerl in Lederriemen verwandelt, um dann mit seinen - ausschließlich männlichen - Freunden die Welt zu retten. Und heute drehen die Leute am Rad, weil Spongebob angeblich schwul macht. Wirklich, nachdem eine Generation Prinz Adam und seine halbnackten Lederfreunde mehr oder weniger intakt überstanden hat, kann man sich die Thesen über die Wirkung solcher Serien auf die ach-so-empfindliche Kinderpsyche getrost an den Hut stecken (oder in den Gürtel des Felltangas, je nach Belieben).

Stammeskrieger He-ManIch merke, dass ich langsam zur älteren Fraktion gehöre, da ich mich an die Storyline vor dem ganzen Prinz-Adam-Verwandlungsmurks erinnere. Sogar der Wikipedia-Eintrag zu He-Man erwähnt diesen Ursprung nur in einem Nebensatz. In der ersten und zweiten Generation der Action-Figuren (die man bei uns bekam, bevor die Zeichentrickserie rüberschwappte) lagen den Figuren Mini-Comics bei, die He-Man als einen Barbarenkrieger zeichneten, der seinen Stamm verließ, um in der bizarren Welt von Eternia sein Glück zu versuchen. Der gesamte Hintergrund war sehr, sehr Schwermetall-style Fantasy (was nicht verwunderlich war, so in den frühen 80ern) und ziemlich archaisch - auf eine ziemlich europäische Weise, wie ich rückblickend sagen muss. Da ich als Kind meine ersten Kontakte mit Fantasy durch eben solche Comics hatte (die vermutlich mitnichten für Kinder gedacht waren, hehe - Schwermetall, Star Fantasy, Krieger der Geisterwelt etc.), hat das meine Vorstellung von dem Genre für immer darauf geeicht.
Wenig überraschend, dass ich die Stories dieser Mini-Comics affengeil fand. He-Man & Co waren ruckzuck meine Helden, noch bevor ich wusste, wer “Conan” ist. ;)
Dann übernahmen DC die Serie und quasi über Nacht wurde aus dem mächtigen Barbarenkrieger ein Captain Marvel-Verschnitt, der sich vom sanftmütigen Prinzen per Zauberwort in den muskelbepackten Superhelden verwandelt. Oh Mann. Das schlimme ist, eigentlich mag ich Superhelden. Ich glaube, daher konnte ich als Kind den Bruch auch gut wegstecken, wenngleich ich nie mit Prinz Adam warm geworden bin (höhö).
Ich habe diese Storyline in den Hörspielen und der Zeichentrickserie akzeptiert, aber für mich galt im Spiel immer noch der archaische Ursprung - den ich wesentlich abenteuerlicher fand.

Noch schlimmer finde ich, dass z.B. die paar Jahre Unterschied, die ich zu meinem geschätzten Mitbewohner habe, ausreichen, dass dieser diese erste Version des Hintergrunds verpasst hat. Die große Mehrheit aller groß gewordenen Kinder heute kennt nur noch die DC-Version der Story und nicht mehr die überaus Fantasy-gerechte Ursprungsversion. Und von dem He-Man den die momentanen Kinder kennenlernen, will ich gar nicht anfangen. Tragisch - aber die Debilisierung der Kinder- und Jugendlichen-Unterhaltung ist wieder Material für ein eigenes Thema.

Glücklicherweise kann man die alten Stories im Netz lesen (wenn auch mit Wasserzeichen über den Illus - bäh) oder herunterladen (bessere Wahl). Es leben die alten Fans! Nostalgikern und Neugierigen durchaus zu empfehlen. Ich hatte auch bei einer erneuten Lektüre wieder Spaß dabei :D und staune, wie viele bizarre Regeln und Konformitäten es heute für Kinder/Jungendlichen-Comics gibt. Ich bin fester Überzeugung, das eine solche Serie heute nicht mehr umsetzbar ist - jedenfalls nicht für Kinder. Das war unsere Generation und scheinbar ist man der Meinung, dass unsere Kinder nicht mit solchen Helden aufwachsen sollten, wenn sie statt dessen (leidlich) verkappte Homosexuelle, grenzdebile Comicfiguren oder finstere Anti-Helden bekommen können. Ich glaube, unsere Jugend wird kaputtgeschützt.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich die Heftchen alle aufgehoben habe, und blättere die jetzt allesamt noch mal durch. *g*