Kinderzirkus
Ich hasse es wirklich, auf ein hochgehyptes Medienkarussell aufzuspringen, aber ich muss eine Meinung zu Helene Hegemann “Axolotl Roadkill” revidieren. Ich habe den, ähm, Roman nicht gelesen (und plane es in absehbarer Zeit nicht) und habe auch nicht vor irgendeine Meinung zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Das Buch mag ein brillantes Plagiat oder literarischer Dreck sein – das ganze Gebilde um die Hegemann und ihr Werk ist jedoch die reinste Performance. Erfindungen entstehen oft durch Unfälle und auf Kunst scheint das im selben Maße zuzutreffen. Die Parade, zu der sich die wundergläubigen Literaten, Verlagsmenschen und anderen selbsternannten Kultivierten haben aufreihen lassen, ist pure Realsatire.
Ein Manifest der Dummheit und geistigen Verarmung der ganzen Branche und aller Beteiligten. Wie fanatische Kultisten stürzen sie sich auf die geringe Chance eines Wunders und zerren dabei Niveau und Glaubwürdigkeit auf dem Opferaltar. In der Zwischenzeit geschehen anderswo wirkliche Wunder, von denen die Verblendeten nie etwas bemerken werden, da sie nicht aus ihren verstaubten Tempeln und Elfenbeintürmen herauskommen.
Wenn überhaupt irgendwas, dann ist der “Hegemann-Skandal” ein Weckruf für die Kulturlandschaft Deutschland. Aber wie immer bei treffenden Satiren werden sie nur von jenen verstanden, die sie nicht betreffen.

