23. Februar 2010

Kinderzirkus

Ich hasse es wirklich, auf ein hochgehyptes Medienkarussell aufzuspringen, aber ich muss eine Meinung zu Helene Hegemann “Axolotl Roadkill” revidieren. Ich habe den, ähm, Roman nicht gelesen (und plane es in absehbarer Zeit nicht) und habe auch nicht vor irgendeine Meinung zu den Plagiatsvorwürfen zu äußern. Das Buch mag ein brillantes Plagiat oder literarischer Dreck sein – das ganze Gebilde um die Hegemann und ihr Werk ist jedoch die reinste Performance. Erfindungen entstehen oft durch Unfälle und auf Kunst scheint das im selben Maße zuzutreffen. Die Parade, zu der sich die wundergläubigen Literaten, Verlagsmenschen und anderen selbsternannten Kultivierten haben aufreihen lassen, ist pure Realsatire.

Ein Manifest der Dummheit und geistigen Verarmung der ganzen Branche und aller Beteiligten. Wie fanatische Kultisten stürzen sie sich auf die geringe Chance eines Wunders und zerren dabei Niveau und Glaubwürdigkeit auf dem Opferaltar. In der Zwischenzeit geschehen anderswo wirkliche Wunder, von denen die Verblendeten nie etwas bemerken werden, da sie nicht aus ihren verstaubten Tempeln und Elfenbeintürmen herauskommen.
Wenn überhaupt irgendwas, dann ist der “Hegemann-Skandal” ein Weckruf für die Kulturlandschaft Deutschland. Aber wie immer bei treffenden Satiren werden sie nur von jenen verstanden, die sie nicht betreffen.

11. Januar 2010

AOL Deutschland macht dicht

Damit trifft ein, was langfristig vermutlich ohnehin zu erwarten war. Und noch mehr Onliner, die nun auf den freien Markt fließen werden, wo sich der Rest bereits staut. Es stellt sich wirklich die Frage, was können AOL an ihrem Konzept noch ändern, um der Gegenwart gerecht zu werden? Ich fürchte, dieser Rückzug wird nicht der letzte für das Unternehmen bleiben.

04. Januar 2010

Drogendealer über WoW gefasst

Diese Story finde ich im höchsten Maße bemerkenswert: Mit Hilfe der World-of-Warcraft-Accountdaten halfen Blizzard Entertainment der amerikanischen Polizei einen Drogendealer dingfest zu machen, der sich nach Kanada abgesetzt hatte.
Ultrakonsequent wäre wohl nur noch eine Online-Verhaftung gewesen.

Penny Arcade haben einen schönen Comic zu der Geschichte. ;)

17. November 2009

Damals wie heute

Bin endlich mal dazu gekommen, die komplette Spiegel-Reihe zum Thema Rollenspiele zu lesen. Besonders interessant ist der Artikel über Rollenspiel-Hexenjagd, die bis in die Neunziger angehalten hat. Ich finde die Dualität zur heutigen Killerspiele-Diskussion erschütternd.

Wie bequem, dass Unterhaltungsspiele, Jugendkultur und Abenteuergeschichten wieder und wieder als Sündenbock herhalten können, um das Versagen von Eltern gegenüber ihren Kindern zu entschuldigen.

23. September 2009

Kirby-Erben klagen gegen Marvel/Disney

Kirby: Fantastic Four

Passend zur lukrativen Übernahme Marvels seitens Disneys tauchen plötzlich die Erben des Fantastic-Four-Erfinders Jack Kirby auf, da ihnen in diesem Moment einfällt, dass ihnen eigentlich ja ein Stück des Kuchens gehört. Jacob Kurtzberg, besser bekannt als Jack Kirby, ist der geistige Vater populärer Superheldenfiguren wie den Fantastic Four, Captain America, den X-Men, Iron Man, Thor, Hulk und dem Silver Surfer. Den Fall vertritt, vermutlich wenig überraschend, Marc Toberoff, der bereits die Rechte an Superman zwischen den Siegel-Erben und DC aufgeteilt hat. Zugegebenermaßen lief da vieles nicht sauber, was die Bezahlung der Erfinder des Stählernen angeht, aber nun haben wir die Situation, dass die Hintergrundgeschichte und die Kernfiguren der Serie rechtetechnisch in den Händen der Siegels liegen, während der Rest DC gehört. 2013 gehen die Rechte komplett an die Siegels. Übersetzt bedeutet das, das wir uns weitere Film- oder TV-Auftritte von Superman abschminken können. Und Gerechtigkeit ist damit niemandem Genüge getan, lediglich die Habgier einiger Klagewütiger Erben wurde befriedigt.

Mir scheint die Kirby-Disney-Situation ähnlich. Unabhängig davon, ob alles kosher war, was zwischen Marvel und Kirby in den 80ern lief, das Ganze wurde bereits juristisch bearbeitet und es scheint ein bisschen seltsam, dass die Erben des Comicgenies so bemerkenswert gleichzeitig zur Fusion mit dem lukrativen Disney-Konzern auf die Idee kommen, sie könnten ja doch ungerecht behandelt worden sein. Ne, is klar.

Vor 2014 ist da mit keinem Ergebnis zu rechnen, das einen Impact erzielt, aber wenn die Kirbys ihren Willen kriegen, könnte uns eine “Superman-Situation” drohen, in der z.B. Marvel die Rechte an Iron Mans Rüstung behalten, nicht jedoch an Tony Stark, Pepper Potts oder anderen Figuren, die untrennbar mit der Serie verbunden sind. In beiden Fällen (Kirby und Siegel) ist das Ergebnis von keinem Nutzen für die Fans. Im schlimmsten Fall verschwinden die Figuren damit komplett von der Bildfläche, oder werden brutal umdefiniert, um den veränderten Copyright-Bedingungen gerecht zu werden. Glücklich wird damit niemand werden und ich glaube kaum, dass sich Disney/Marvel, mit einer Auswahl von über 4000 Figuren, für jede Veröffentlichung von einer der rechtegesperrten Figuren erpressen lassen. Das die Cartoonisten in den frühen Tagen des Business ausgebeutet wurden steht außer Frage, ebenso dass dies eine Frechheit war. Aber nach 20 oder 30 Jahren damit kommen, nachdem die eigentlichen Zeichner nicht einmal mehr am Leben sind, hat nichts mit Gerechtigkeitssinn zu tun, sondern mit blanker Profitgier.

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