Kivis Kurzweiliger Kellerbesuch
Was gibt es schöneres, als den Abend mit einer zünftigen Monster-Verkloppe und dem Plündern eines weitläufigen Dungeons ausklingen zu lassen? Richtig – nur wenig.
“Kivi’s Underworld” von Soldak Entertainment ist ein leicht zu unterschätzendes Kleinod munteren Dungeoncrawlings, das frustfreies Gameplay mit beachtlicher Atmosphäre verbindet. Indie-Games sind sehr oft Hit-or-Miss. Diese Spiele sind meistens entweder toll oder kaum erwähnenswert. “Kivi’s Underworld” kann man mit Fug und Recht als Genre-Kleinod bezeichnen. Ein Kleinod, das auch auf älteren Rechnern (Windows und Mac gleichermaßen, Yay!) problemlos läuft.
Klein, aber fein
Soldak Entertainment sind ein kleines, unabhängiges, Entwicklungsstudio, die neben “Kivi’s Underworld” noch ein weiteres Spiel, “Depths of Peril” in petto haben, das um einiges komplexer ist und mit politischen Beziehungen zwischen verschiedenen Fraktionen sowie einem sehr ausgefeilten Questensystem arbeitet. Ein weiteres Spiel, “Din’s Curse”, mit einer offenen und sich stetig wandelnden Spielwelt, ist in Arbeit. “Kivi’s Underworld” ist kein Beispiel für besonders komplexes Spieledesign. Ebensowenig definiert es des Genre neu. Es ist aber ein solides Beispiel für immens unterhaltsames Dungeoneering im Stile von “Diablo” oder vielleicht “Dungeon Siege”. Der Vergleich mag etwas hoch angesetzt sein, da “Kivi’s Underworld mit einem komplett anderen Budget erschaffen wurde, aber das Spiel muss sich nicht vor der Konkurrenz verstecken.
Die Grafik ist generell sehr hübsch und viele abwechslungsreiche Objekte sowie der geschickte Umgang mit Licht, ein Aspekt der in vielen sehr viel teureren Spielen viel zu kurz kommt, schafft wohlig-schaurige Dungeon-Atmosphäre. Auch der Sound kann sich hören lassen. Wenngleich einige Monster etwas mehr Tiefe in den Lauten, die sie produzieren, verdient hätten, sind sowohl Soundeffekte als auch Musik stimmungsvoll und keinesfalls aufdringlich. Tatsächlich trägt der Sound des Spiels viel zu der üppigen Atmosphäre der Level bei.
Wieder einmal die Dunkelelfen
“Kivi’s Underworld” führt den Spieler durch 30 Level mit steigender Schwierigkeit, in denen es zahlreiche Schätze zu finden, Monster zu bekämpfen und Geheimnisse zu lüften gilt. Die Geschichte des Spiels ist nicht direkt eine Genre-Bereicherung und wir alle haben sie in dieser oder einer ähnlichen Form vermutlich tausendmal gehört: Das Volk der Lumen (Nein, sie leuchten leider nicht im Dunkeln), ein Volk von unterirdisch lebenden gnomartigen Geschöpfen, wird von einer Armee böser Dunkelelfen bedroht. Kivi, der Held der Geschichte, und die Gefährten, die sich um ihn scharen, versuchen den Vorstoß der bösen Elfen zu unterbinden um ihr Volk zu retten. Irgendeine Handlung muss das Ganze ja haben. 
Wo das Spiel jedoch brilliert, ist nicht seine Geschichte, obwohl diese durchaus charmant präsentiert wird, sondern das Gameplay: Kivi macht Laune. Man steuert seinen Charakter durch Mausklicks und jede Spielerklasse hat einen Standardangriff sowie zwei Sonderfähigkeiten, eine aktive und eine passive. Die aktive Sonderfähigkeit wird mit der rechten Maustaste benutzt, die passive gibt einen permanenten, im Hintergrund aktiven, Bonus. Darüber hinaus hat jede Klasse unterschiedliche Werte im Bezug auf Leben und Mana. Mehr Tiefe hat ein Charakter in “Kivi’s Underworld” nicht. Wer ein ausgefeiltes Rollenspiel sucht mit vielfältigen Charakteroptionen und einem komplexen Skillsystem, sollte lieber auf “Din’s Curse” warten. Kivi ist kein solches Spiel. Der Trip in die Unterwelt ist ein spaßiges, “Nach-Feierabend-Spiel”, das fordernd genug ist, um interessant zu bleiben, aber simpel genug, um es auch dann noch zu spielen, wenn einem andere Spiele einfach zu viel Denkarbeit abverlangen. “Kivi’s Underworld” ist allerdings auch kein dummes Spiel: Jeder der 21 Spielercharaktere setzt eine andere Spielweise voraus und nicht alle Level lassen sich mit allen Charakteren gleich gut lösen. Der Magier hat mächtige Eiszauber, die große Gruppen von Gegnern verletzen und verlangsamen können, aber er hält praktisch nichts aus. Die Händlerin (ja, es gibt eine Händlerklasse!) hat nur mittelmäßige Angriffe, aber sie kriegt einen passiven Punktebonus auf alle eingesammelten Schätze. Oder der Berserker, der mächtige Nahkampfangriffe hat, aber komplett auf Fernkampf verzichten muss.
Darüber hinaus kann jeder Charakter bis zu 3 “Power-Ups” tragen, die man in den Leveln findet. Da man vorher nie weiß, was für Power-Ups man wo findet, kann man ihren Einsatz nicht vorausplanen und je nachdem, welche Power-Ups man mit sich herumträgt, ändern sich auch die taktischen Optionen. Power-Ups können temporäre Verbesserungen geben, als Waffen fungieren oder die Werte des Charakters verändern. Von Regeneration über Kampfzauber bis hin zu magischen Schutzschilden ist hier alles möglich. Ein breites Repertoire an magischen Fallen und verschiedenfarbigen Schlüsseln, nach denen man für weitere Geheimnisse suchen darf, machen dem Helden das Leben weiterhin schwer, das Spiel jedoch umso unterhaltsamer.
Höher, schneller, weiter
In “Kivi’s Underworld” gibt es einen Highscore. Punkte erlangt man für das besiegen von Monstern, das finden von Schätzen und geheimen Räumen (die oft frustrierend gut versteckt sind, grmbl). Darüber hinaus kriegt man Pokale und Punkteboni für besondere, im Spiel errungene, Erfolge. Ein Beispiel dafür ist ein Bonus, den man erhält, wenn man aus einem Kampf mit nur noch 1 Lebenspunkt lebend herausgekommen ist (nicht beabsichtigt herausgefunden, kann ich euch versichern). Konsequenterweise unterstützt das Spiel daher auch Benutzerprofile für verschiedene Spieler und für um und bei 7 Euro gibt es noch einen Multiplayer-Patch, mit dem man im Netzwerk oder über das Internet zusammen gegen die bösen Monsterhorden antreten kann. Das ist natürlich spannend, weil das einem die Möglichkeit gibt, die Eigenschaften der verschiedenen Charaktere zu kombinieren. Die Monster werden mit jedem zusätzlichen Spieler natürlich entsprechend härter. Ich habe den Multiplayer-Patch noch nicht testen können, aber die Aussicht, mit Freunden in die coolen Dungeons von “Kivi’s Underworld” zu steigen, klingt überaus reizvoll.
Fazit
“Kivi’s Underworld” macht sehr viel mehr Spaß, als es auf den ersten Blick vermuten lässt. Es ist ein immens kurzweiliges, niemals langweiliges, Hack-n-Slash-CRPG mit sehr abwechslungsreichen Leveln und zahlreichen interessanten Spielercharakteren. Die Wiederspielbarkeit ist recht hoch, da man kaum im ersten Anlauf alle Geheimnisse entdecken, alle Erfolge freischalten, oder alle Spielercharaktere spielen kann. Es ist seine 20 Dollar durchaus wert und ich habe schon teurere Spiele gesehen, die deutlich weniger liebevoll umgesetzt waren. Wer ein knackiges Action-CRPG sucht, in das man schnell hineinfindet und das einen nicht mit endlosen, sinnlosen, Dialogen anödet,
wird bei “Kivi’s Underworld” voll auf seine Kosten kommen. Sehr schönes Spiel, Daumen hoch!
Vorschlag: Demo runterladen und antesten. Für die Vollversion gibt es eine Übersetzung ins Deutsche zum runterladen.
Oh, btw, habe in die Bilder in diesem Artikel verlinkt und in den Kommentaren der Bilder den ein oder anderen Tipp für ein paar der Spielerklassen hinterlassen.

So langsam kommen wir zu dem Punkt, wo Veröffentlichungen von Dritten für die 4. Edition von D&D eine eigenständige Form annehmen. Die ersten externen Zusatzbücher waren bisher mehr halbgare Aufgüsse von 3rd-Edition-Material und enthielten viele regeltechnische Rückfälle in die alten Mechanismen. Ich war daher etwas besorgt, ob Forgotten Heroes: Scythe and Shroud von Goodman Games seine 9 Euro wert ist. Zumal das Buch zwei Spielerklassen enthält, die mir sehr am Herz liegen und die ich bisher in anderen Publikationen noch nicht zufriedenstellend für die 4. Edition umgesetzt gesehen habe: Den Assassinen und den Necromancer.
