04. Mai 2009

Der Zorn des Lichkönigs

TelchurNun hat mich die neue Erweiterung von World of Warcraft doch noch erreicht. Ein bisschen spät, wie üblich, aber besser spät als nie, sagt man ja. Pflichtschuldigst habe ich mir also einen Todesritter gemacht und mir einen ersten Eindruck verschafft. Noch bevor ich das neue “Wrath of the Lich King” auch nur auf dem Rechner hatte und genügsam mit meiner Paladine durch die Scherbenwelt der Burning-Crusade-Erweiterung gedümpelt bin, war ich natürlich schon der üblichen Masse an Quengeleien ausgesetzt, was denn mit dem neuen Zusatz diesmal alles so furchtbar verplant wurde und “Das Ende”™ von WoW sein soll. Zu einfache Bosse, übertrieben mächtige Spielerklasse, etc. pp. Das übliche halt.

Zu den Bossen kann ich nach der kurzen Spielzeit natürlich noch nichts sagen, aber ich glaube, ich sehe nicht ohne Grund überall Todesritter auf dem Server. Das Intro der ersten “Heldenklasse” rockt und ich habe mich eigentlich noch nie so involviert in die Handlung gefühlt, beim WoW spielen. Der erste Eindruck ist also gut. Man beginnt als Diener des bösen Lichkönigs und zieht mit eiserner Verbitterung gegen die Kräfte des Lichts zu Felde, bis der Moment kommt, die Seiten zu wechseln und sich gegen den eigenen dunklen Meister zu stellen. Natürlich – irgendwie müssen die Todesritter ja langfristig mit den anderen Spielern zusammenarbeiten können. Persönlich hätte ich aber nichts dagegen gehabt, auf Dauer auf der dunklen Seite zu spielen. ^^ Der Wechsel zum Licht war fast ein kleiner Stich. Der Einritt in die Hauptstadt der Horde, der mit Buhrufen und faulem Obst werfen seitens der NPCs begleitet wurde, war allerdings atmosphärisch ein schönes Element. Eine Erinnerung daran, dass der Charakter ein Abtrünniger ist, der keine Freundschaft auf beiden Seiten zu erwarten hat.

Gameplay-seitig habe ich nicht den Eindruck, dass der Todesritter mächtiger ist, als die anderen Klassen. Man fängt halt auf einer höheren Stufe an, aber der Todi ist eher komplett anders als stärker. Es ist wohl eine Frage des persönlichen Spielstils und Geschmacks. Die Runenmacht, auf der die Fähigkeiten des Todis basieren, erinnert ein bisschen an die “Wut” des Kriegers, aber er erinnert von der Handhabung mehr an einen Paladin, als an den Krieger. Ein Sprüche klopfender Kämpfer, dem nicht der Saft für Zauberei ausgeht, solange er die Runenklinge nur hart genug durch die Reihen seiner Gegner ziehen kann. Laut Blizzard soll er sowohl als Tank als auch als Damage Dealer fungieren können – das wird sich zeigen, wie gut das insgesamt funktioniert. Mein Eindruck ist, dass er wahrscheinlich auch kein schlechterer Tank als ein entsprechend geskillter Druide ist. Ein endgültiges Urteil darüber überlasse ich jemanden, der diese Klasse bis Level 80 durchgespielt hat.

Über den neuen Kontinent Nordend kann ich leider auch noch nicht allzu viel sagen, da mein Level dafür noch nicht reicht, aber der erste Eindruck war vielversprechend und da es sich um ein Blizzard-Produkt handelt, bin ich zuversichtlich, dass es mich potenziell etliche Stunden an den Bildschirm fesseln könnte. :) Wenngleich meine Spielgewohnheiten von Hardcore-WoW-Zockern als desaströs eingestuft werden würden – wenn ich es richtig bunt treibe, komme ich auf 9 Stunden die Woche. Und dann ist wieder einen oder zwei Monate Funkstille. Die “Sucht” WoW kommt nicht bei mir an, auch nicht mit der Erweiterung. Aber es ist eine coole Erweiterung für ein äußerst amüsantes Spiel.

Ich schreibe mal mehr dazu, wenn ich mehr von Nordend gesehen habe (oder stelle ein paar Screenshots in meine Facebook-Galerie).

14. Oktober 2008

Kittin is High

Bah, nix zu erzählen. Da es aber mal wieder Zeit für ‘nen Eintrag wird, hier das Video zu “Kittin is High” von Miss Kittins ausgezeichnetem Album “BatBox”.

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Miss Kittin ist, wie viele saubere elektronische Musik, echte Geschmackssache, aber ich mag ihren Stil. Tatsächlich ist das eines der Alben, die ich wieder und wieder auflegen kann, ohne dass ich es über habe. Ich mochte ihre älteren Releases auch schon, aber dieses hier hat eine Klarheit und Frische, die ich stets auf neue inspirierend finde.

19. August 2008

Repo! The Genetic Opera

Repo! BannerIch glaube, ich habe auf dem Fantasy Filmfest das zweite Rocky Horror gesehen. Aber eines nach dem anderen. Wir befinden uns in einer nicht allzu fernen Zukunft – Massives Organsterben hat die Weltbevölkerung gut dezimiert und die einzige Rettung kommt durch die Organimplantat-Programme der Firma GeneCo. Die käufliche Lebensverlängerung hat jedoch ihren Preis, und wer den nicht mehr zahlen kann, kommt auf die Jagdliste des Repoman, der die verschuldeten Organe einfach kurzerhand wieder zurückholt. Die Genetic Opera spielt in einer Welt, in der Chirurgie ein Fashion Statement ist und das Fleisch nur noch eine Ware. Und alles wird gesungen.

Repo! Paris Hilton PosterRichtig – der Film ist ein Musical, ein Schlachtfest mit einem astreinen Industrial-Gothrock-Soundtrack, durch den der gesamte Film präsentiert wird. Es geht um Leidenschaft, Perversion und eine unschuldige Seele, die in das gesamte Netz aus Lüge und Verdorbenheit hineingezogen wird. Das ganze findet vor einer visuell beeindruckenden Cyberpunk-/Gothromantik-Kulisse statt und so drängt sich mir der Vergleich zur Rocky Horror Picture Show geradezu auf.
Und die Besetzung ist einmalig – mit Ogre von Skinny Puppy als selbstverliebten Psychopathen, der sich Frauengesichter aufoperieren lässt. Hinter den Kulissen sind Bauhaus und andere Goth-Größen an der Mucke beteiligt und insgesamt lässt der Film für schwarze Seelen keine Wünsche offen. Und wenn man sonst keinen Grund hat, den Film zu sehen, sollte man ihn wenigstens wegen der Szene gucken, in der Paris Hilton das Gesicht abfällt. ;) Diese hat nebenbei eine überraschend gute Figur in dem Film abgegeben – wenig verwunderlich, da sie sich nur selbst darstellen musste, aber gut gepasst hat es trotzdem.

Tja, *das* hätte das Centerpiece des diesjährigen Filmfestivals sein sollen, da der Film auf eine große Leinwand gehört. “Let the Right One In”, dem letztendlich diese Ehre zuteil wurde, war vielleicht der inhaltlich anspruchsvollere Film, aber das hier war purer, geballter Rock ‘n’ Roll. Noch nie ging munteres Organschnibbeln und eimerweise Blut vergießen so gut ins Ohr. DVD-Release ist erst Ende diesen Jahres, aber ich kann nur raten, diesen Film abzugreifen, sobald es geht.

Offizielle Website (mit Film- und Musikclips) hier: http://www.repo-opera.com
Secret Download – eine kleine Handvoll Songs aus dem Musical – hier: http://www.repo-opera.com/secretdownload/
Das Passwort ist “geneco”.

Das ist für mich der Film des Jahres und ich kann nur allen Fans schriller und bizarrer Filme sowie allen Mit-Nachtschwärmern empfehlen, ihn irgendwie irgendwo so bald wie möglich zu gucken.

11. August 2008

Promethean: Das enigmatische Setting

PrometheanLese mal wieder in den liegengebliebenen und ungespielten Rollenspiel-Regelwerken in meinem Regal. Dabei bin ich erneut über den jüngsten Spross der neuen World of Darkness gestolpert: “Promethean – the Created”. Ich weiß immer noch nicht, was ich von diesem Setting halten soll. Nach Vampiren, Werwölfen, Magiern und Wechselbälgern ist Promethean das Setting, das sich den Frankenstein-Mythos vom erschaffenen Leben vorknöpft und daraus ein entsprechend düsteres Setting für die World of Darkness macht.

Jede Promethean-Chronik hat ein fest erklärtes Ziel, das von allen Charakteren in ihr geteilt wird: Das erreichen von “echtem” Leben und Sterblichkeit. Die Suche nach einer Seele, nach einem Sinn oder zumindest Genutuung – das ganze Frankenstein-Programm, also. Problematischerweise sind die Erschaffenen aber ein Affront gegen die natürliche Ordnung und werden von Mensch, Tier und sogar Pflanzen auf instinkiver Basis als solcher verstanden. Menschen reagieren automatisch abweisend auf sie und sogar das Land, in dem sie weilen, verdörrt und stirbt im Laufe der Zeit.
Hier sehe ich im übrigen das erste Problem mit dem Setting. Angesichts der Schwierigkeiten, die ein Prometheer hat, mit seiner Umwelt zu interagieren, ist es da so schlau sich mit anderen Prometheern zusammenzutun und damit den Effekt noch zu potenzieren?
Sicher, das Elend liebt Gesellschaft. Und außerdem ist ein solches Schicksal in Gesellschaft derer, die ebenfalls auf der Suche sind, leichter zu ertragen. Andererseits scheint die logische Konsequenz eher zu sein, das die Prometheer in einer Gruppe sich eher gegenseitig davon abhalten, zu menschlich oder zu beliebt unter den Sterblichen zu werden. Ich habe echte Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wie eine Gruppe dieser Geschöpfe ihren Kollegen ermutigt, den Glauben nicht zu verlieren und ihm mit tränenfeuchten Augen ein schönes Leben wünscht, wenn er es endlich geschafft hat, menschlich zu werden.
Wenn sie dazu schon in der Lage wären, hätten sie ja mindestens die Hälfte ihrer Pilgerfahrt schon erfolgreich beendet. Es ist möglich und ich sehe da Potenzial für rollenspielerisch interessante Szenen, aber wahrscheinlich scheint es mir nicht. Insbesondere wenn ich an die Natur von Rollenspielern denke. White Wolf setzen für all ihre World-of-Darkness-Produkte ein gehöriges Maß an Spielerreife voraus, aber Promethean toppt die anderen Settings auf diesem Gebiet um Längen. Ich habe schon gute (und durchaus reife) Spieler, aber hier würde ich schwarz sehen. ;)
Ich sehe Promethean als ein spannendes Setting für One-on-One-Rollenspiel, aber ich habe echte Schwierigkeiten, mir eine Gruppe aus Frankensteins, Golems und anderen quasi-beseelten Konstrukten vorzustellen. Jedenfalls ohne dass es in Slapstick oder Trash abgleitet. Teil des Reizes des Settings ist dieses Gefühl von “ich gegen die Welt”. Das wird, wenn man von gleichartigen Geschöpfen umringt ist, ein wenig verwässert, finde ich. Vielleicht muss man auch ein Teenager sein, um das zu verstehen. Die kleinen Gruftis spielen jedoch alle Vampire, würde ich vermuten. ;)
Ein anderes Thema ist die abenteuertauglichkeit. Ich war nie ein großer Fan der alten World of Darkness. Zu dominante Metaplots, zu viel Paranoia, zu wenig Licht/Schatten-Kontraste und ein eher unterdurchschnittliches Regelsystem. Erst seit der neuen WoD bin ich mit eifriger Neugier dabei und habe mir die Settings eines nach dem anderen gekauft. Schlankeres, optimiertes Regelwerk, kein zwingender Metaplot und jede Menge kreativer Spielraum für Improvisation und Eigengestaltung der Welt. Sehr schön, eigentlich. Promethean macht da keine Ausnahme. Das Problem mit allen Produkten dieser Reihe ist jedoch das komplette Fehlen von vernünftigem Abenteuermaterial – was bei Promethean am schlimmsten ist. Ich kann mir vorstellen, was eine Gruppe von Magiern auf ihrer Queste nach Macht, uralten Artefakten und persönlichen Vorteilen erlebt. Ich sehe deutlich vor mir, wie ein Rudel Werwölfe ihr Territorium vor externen Bedrohungen verteidigt und ich sehe auch eine Menge knisterndes Abenteuerpotenzial unter Changelings, die sich nicht nur mit ihresgleichen, sondern auch den Gefahren jenseits der Hecke auseinandersetzen müssen.

Aber was zum Henker macht eine Gruppe von Golems den ganzen Tag?

Außer immer wieder von einem Mob aus einer Stadt in die nächste getrieben zu werden, natürlich. Der Plot von Promethean ist so zentriert auf die persönliche Queste nach Menschlichkeit, dass er nur schwer mit einer Gruppe harmoniert, finde ich. Ich kann mir einen Prometheer als interessante Ergänzung in einer gemischten Gruppe aus anderen Supernaturals vorstellen – im Kontrast zu den Eigenschaften der Anderen wird seine Andersartigkeit umso deutlicher und umgekehrt erhält der Prometheer eine verwirrende Anzahl von Beispielen, wie man außerdem “nicht-menschlich” sein kann. Da, glaube ich, könnte ein solcher Charakter brillieren (und der Rest der Gruppe von den Fähigkeiten des Prometheers profitieren).
Das Problem ist, White Wolf haben hier eine Spaßbremse eingebaut, die eine Änderung des Settings notwendig macht, wenn man das ernsthaft vorhat. Per Definition reagieren Werwölfe, Changelings und Magier noch wesentlich heftiger negativ (oder mit bedenklicher Neugier) auf den Prometheer als das bei Menschen der Fall ist. Jedes dieser Wesen kann ihn als das erkennen, was er wirklich ist. Man sollte meinen, dass das gruppenintern ja eigentlich ein Pluspunkt ist – ist es aber nicht. Durch den “Disquiet”-Effekt reagieren Supernaturals umso heftiger auf den Prometheer als Menschen das tun. Zum Glück sind Vorgaben in Settings bestenfalls Vorschläge für den Spielleiter. ;)
Wie dem auch sei, das Abenteuer-Problem ist vielleicht bei Promethean besonders ausgeprägt, findet sich aber in allen WoD-Settings. Scheinbar haben nicht mal White Wolf eine gute Lösung. Ihre Settings knistern geradezu vor Potenzial und spannendem Rollenspiel-Material, aber außer ein paar abstrakten Vorschlägen für Abenteuerthemen bieten sie keine wirkliche Starthilfe. Die veröffentlichten Abenteuer? Railroading mit Plots, die sich auf einem ähnlichen Niveau befinden, wie D&D-Kaufabenteuer. Offenbar haben die Macher selber keine wirklich guten Ideen für Abenteuer in ihren Settings und das finde ich erschütternd. Man findet auch online nichts, was einem weiterhilft. Zu jedem System wird in den Foren munter gequatscht, was diesem oder jenem Spielleiter an Abenteuerideen kam. Promethean, Mage, Changeling? Fehlanzeige.
Es ist wirklich schade, auf der einen Seite so ein hochwertig anmutendes Rollenspiel-Produkt zu haben, auf der anderen Seite aber damit komplett allein gelassen zu werden. Ich komme rollenspieltechnisch aus dem Fantasy/SciFi-Bereich, für mich ist Suspense/Horror relativ unerforschtes Terrain. *Mir* würde ein “nWoD for Dummies”-Guide wirklich helfen – und Zeit sparen, vor allem.

Es bleibt einem also nichts anderes übrig, als die Inspiration aus Filmen und Romanen zu dem Thema zu holen und das Setting sanft zu biegen, um der Vorgabe, bzw. Abenteuer-Idee, gerecht zu werden. Tatsächlich habe ich eine, wie ich finde, gute Idee für ein Abenteuer, das mit einer gemischten Gruppe gespielt werden könnte – was ja auch dem klassischen Gedanken einer Fantasy-Runde mit unterschiedlichen Völkern und Klassen entspricht. Man kann halt nicht aus seiner Haut. ;) Für ein pures Szenario, das nur aus Prometheans besteht, fehlt mir jedoch komplett die Inspiration und sowohl das uninspirierte Demo-Abenteuer von der Website, als auch das Buch selbst waren keine große Hilfe.

Ich begreife selber nicht, wie ein Setting im Grunde so nach Abenteuer schreien kann, auf der anderen Seite die Frage nach dem “wie” so im Nebel lässt. Ich sehe mich Elemente von Promethean in meiner kommenden nWoD-Kampagne verwenden, aber ein pures Abenteuer in dem Setting?… Ich wüsste gar nicht wie. Und dabei gefällt mir das Buch wirklich sehr und habe die Lektüre sehr genossen. Mehr als ein One-on-One oder die Einbindung eines Prometheers in eine andere Runde kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Schade.

18. Mai 2008

Go Speed Racer, Go!

Speed RacerNachdem ich ihn jetzt im Kino gesehen habe, kann ich das Gemecker um den neuen Film der Wachowski-Brüder “Speed Racer” nicht verstehen. Was haben die Leute denn erwartet - einen zweiten “Matrix”?

Speed Racer 1966Die andere Klientel, neben den Filmkrittelern, sind die “Fans”, die zu viel Abweichung von der Serie in dem Film sehen. Dazu kann ich nur sagen der Göttin sei Dank weicht der Film von der Serie ab. Speed Racer mag nach Maßstäben von 1966 erste Banane gewesen sein, aber im Gegensatz zu den anderen Cartoon-Veteranen, die an jeder Verfilmung etwas zu mosern haben, erinnere ich mich noch gut an die Serie. Und sie war wirklich furchtbar. Vorhersehbar, dümmlich und - ehrlich gesagt - nicht besonders gut animiert. Allerdings auch ein Klassiker - in dem Sinn, das sie die erste Anime-Serie war, die je im deutschen Fernsehen lief. Und ja, sie hatte Momente - aber alles in allem war sie nicht so gut wie, sagen wir mal, Captain Future das etliche Jahre später war.

Speed Racer RallyeszeneZurück zum Realfilm “Speed Racer”. Der Film ist toll. Eine quietschbunte Achterbahnfahrt durch so ziemlich jedes Genreklischee mit turbulenten, immens fantasievollen, Rennszenen. Der kleine Junge in mir ist voll auf seine Kosten gekommen. Vielleicht ist es auch eine Sache der Erwartungshaltung - wer große Charakterentwicklung, tiefgründige Plots und überraschende Wendungen erwartet hat, wird vermutlich nicht auf seine Kosten gekommen sein. Der Anspruch wäre allerdings an einen Film, der die Zeichentrickserie Speed Racer aus den Sechzigern auf die Leinwand holen soll, auch nicht angebracht. Oder fair. Speed Racer gibt nicht wirklich das Material für eine tiefgründige Abenteuergeschichte her. Ich habe keine dramaturgische Tiefe erwartet, sondern Speed Racer - und ich habe bekommen, was ich erwartet habe: Autos mit ausfahrbaren Sägeblättern, Ninjas in Totenschädel-Unterhosen, eine Bienenstock-Schleuder und abgefahrene, vollkommen surreale, Rennen mit Raketenautos.
Selbst wenn man die Serie nicht kennt, oder mag, kann man sich den Film ansehen, wenn man Freude an Comics und farbenfrohen Actionfilmen hat.

Technisch gesehen konnte ich auch nichts entdecken, was mich wirklich gestört hat - Schnitt und Kamera lassen den Zeichentrick real werden und der geschmeidige Wechsel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist eine der besten Übertragungen von Comic-Erzählweise auf die Leinwand, die ich bisher gesehen habe. Der grotesk überzogen bunte Set hat nicht nur tadellos in die Geschichte gepasst, sondern hat durchaus diesen Retro-60er-SciFi-Beiklang, den die Serie ja durchaus auch hatte. Mich hat nur eine Sache gestört - im Film hat Speed Racers Wagen tatsächlich auch die Robotersonde, die er auch in der Serie hat (es gibt sogar die dicken Knöpfe mit den Buchstaben drauf, wie geil ist das bitte?). Benutzt hat er sie jedoch nicht. Sehr schade. Dramaturgisch gesehen, war es so völlig unnötig, sie überhaupt so prominent zu erwähnen. Andererseits ist es ein hübscher Gag für diejenigen gewesen, die die Serie kennen. Dennoch, ein kleiner Wermutstropfen in einem sonst sehr amüsanten Film.

Fazit: Speed Racer ist ein Film für Geeks. Er ist knallebunt, rasant, cartoonhaft geschnitten und hat die Erzähltiefe einer 60er-Jahre-Trickserie. Es ist nachvollziehbar, dass das nicht alle erreicht. Wer keinen Spaß an Superhelden-Trickserien, Anime oder Comedy-Action hat, wird auch mit Speed Racer nicht glücklich. Alle anderen: Angucken, solange es den noch auf der Leinwand zu sehen gibt! Ein kunterbunter Glücklichmach-Achterbahnritt.

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