16. April 2010

Unter der dunklen Sonne


Ich zähle die Tage bis zum Re-Release des Dark Sun Kampagnensettings für D&D4. Ich kenne es noch aus den frühen Neunzigern, wo es mein Interesse für Fantasy-Rollenspiel mit einer Leidenschaft entfacht hat, die ich lange vermisst habe. Bis zu dem Punkt, jedenfalls, an dem Wizards of the Coast eine frische Version für August diesen Jahres angekündigt haben.

Ich erkläre meine besondere Liebe gegenüber diesem Setting mit meiner Liebe zu den alten Schwermetall-Comicmagazinen, mit denen ich quasi aufgewachsen bin (egal wie sehr meine Mutter darauf geachtet hat, dass ich sie nicht in die Finger bekomme) und die meine Vorstellung von Fantasy früh und nachhaltig geprägt haben. Dark Sun ist in vielerlei Hinsicht wie die einschlägigen, schmutzigen, Fantasy-Comics jener Zeit, in der Coverbilder noch mit dem Airbrush gemacht wurden und Black Sabbath “Metal” waren. Es ist ein postapokalyptisches Fantasy-Setting in einer Wüstenwelt unter einer sterbenden Sonne. Mutanten, kannibalistische Halblinge mit angefeilten Zähnen, psionische Geisteskräfte und viele andere eher exotische Fantasy-Konzepte dominierten das Setting. Der übermäßige Gebrauch von Magie und die Machtbesessenheit ihrer Herrscher haben die Welt in eine Wüste verwandelt und es herrschen harsche Gesetze. Wer frei ist, kämpft jeden Tag ums überleben und um das knappe Wasser, wer es nicht ist, ist ein Sklave im Besitz der Herrscherkaste. Normalerweise bin ich kein Freund von “dark & gritty” oder hardboiled Fiction, aber Dark Sun ist unerklärlich sexy. Es war exotisch, brutal und brach mit fast allen der üblichen D&D-Konventionen.

Viel von der besondere Magie des Settings ging wohl auch vom Artwork des Künstlers Gerald Brom aus, der praktisch alle inneren und äußeren Illustrationen der ersten Box anfertigte. Tatsächlich wurde viel von Dark Sun um Broms Illustrationen geschrieben, so dass man ihn durchaus als einen der, wenn nicht den wichtigsten, Entwickler bezeichnen könnte. Ich erinnere mich durchaus an den “Wow”-Effekt, den die Illus bei mir auslösten, als ich die Box damals (1991) das erste Mal sah. Für die vierte Edition steuern viele andere Künstler Illustrationen für das Setting bei. Ich hoffe, dass der Zauber von Dark Sun darunter nicht leidet, aber aus den bisherigen Entwickler-Aussagen geht durchaus hervor, dass sie sich dieses Problems bewusst sind. Ich bin gespannt.
Ein anderer wichtiger Faktor, war der “Prism Pentad”-Zyklus von Troy Denning. Immer noch eines meiner liebsten Fantasy-Werke zum lesen und erheblicher Grundbaustein für die gesamte Dark-Sun-Mythologie. Der Zyklus wird neu aufgelegt und wieder frisch herausgebracht. Sehr gut. Ich habe den letzten Band mal verliehen und nie zurückbekommen, hätte den Zyklus gerne wieder vollständig im Regal stehen.

Dark Sun erschien für die 2. Edition des Spiels und wurde mit Beginn der 3. Edition an die Fanbasis abgegeben, die es über die Jahre liebevoll gepflegt hat. Nun kehrt es, mit der 4. Edition, wieder in den Stall der Wizards zurück. Nach ein paar Gewöhnungsschwierigkeiten an die Schrullen des neuen Systems, muss ich inzwischen sagen, dass ich überaus zuversichtlich bin. Die 4. Edition mit ihren stärkerern Charakteren, die nicht mehr so extrem auf Tonnen von magischen Gegenständen angewiesen sind, ist ein perfektes Regelwerk für Dark Sun. Insbesondere, da es jetzt Regeln für psionische Kräfte gibt, die nicht mehr wie nachträglich, mehr oder weniger stabil, hineingeklebt wirken.

Zu dumm, dass es bis August noch so lange hin ist. -.-

06. November 2007

He-Man, was ist aus dir geworden?

Ein rosa Märchenprinz, der sich bei Gefahr in einen muskelbepackten Kerl in Lederriemen verwandelt, um dann mit seinen - ausschließlich männlichen - Freunden die Welt zu retten. Und heute drehen die Leute am Rad, weil Spongebob angeblich schwul macht. Wirklich, nachdem eine Generation Prinz Adam und seine halbnackten Lederfreunde mehr oder weniger intakt überstanden hat, kann man sich die Thesen über die Wirkung solcher Serien auf die ach-so-empfindliche Kinderpsyche getrost an den Hut stecken (oder in den Gürtel des Felltangas, je nach Belieben).

Stammeskrieger He-ManIch merke, dass ich langsam zur älteren Fraktion gehöre, da ich mich an die Storyline vor dem ganzen Prinz-Adam-Verwandlungsmurks erinnere. Sogar der Wikipedia-Eintrag zu He-Man erwähnt diesen Ursprung nur in einem Nebensatz. In der ersten und zweiten Generation der Action-Figuren (die man bei uns bekam, bevor die Zeichentrickserie rüberschwappte) lagen den Figuren Mini-Comics bei, die He-Man als einen Barbarenkrieger zeichneten, der seinen Stamm verließ, um in der bizarren Welt von Eternia sein Glück zu versuchen. Der gesamte Hintergrund war sehr, sehr Schwermetall-style Fantasy (was nicht verwunderlich war, so in den frühen 80ern) und ziemlich archaisch - auf eine ziemlich europäische Weise, wie ich rückblickend sagen muss. Da ich als Kind meine ersten Kontakte mit Fantasy durch eben solche Comics hatte (die vermutlich mitnichten für Kinder gedacht waren, hehe - Schwermetall, Star Fantasy, Krieger der Geisterwelt etc.), hat das meine Vorstellung von dem Genre für immer darauf geeicht.
Wenig überraschend, dass ich die Stories dieser Mini-Comics affengeil fand. He-Man & Co waren ruckzuck meine Helden, noch bevor ich wusste, wer “Conan” ist. ;)
Dann übernahmen DC die Serie und quasi über Nacht wurde aus dem mächtigen Barbarenkrieger ein Captain Marvel-Verschnitt, der sich vom sanftmütigen Prinzen per Zauberwort in den muskelbepackten Superhelden verwandelt. Oh Mann. Das schlimme ist, eigentlich mag ich Superhelden. Ich glaube, daher konnte ich als Kind den Bruch auch gut wegstecken, wenngleich ich nie mit Prinz Adam warm geworden bin (höhö).
Ich habe diese Storyline in den Hörspielen und der Zeichentrickserie akzeptiert, aber für mich galt im Spiel immer noch der archaische Ursprung - den ich wesentlich abenteuerlicher fand.

Noch schlimmer finde ich, dass z.B. die paar Jahre Unterschied, die ich zu meinem geschätzten Mitbewohner habe, ausreichen, dass dieser diese erste Version des Hintergrunds verpasst hat. Die große Mehrheit aller groß gewordenen Kinder heute kennt nur noch die DC-Version der Story und nicht mehr die überaus Fantasy-gerechte Ursprungsversion. Und von dem He-Man den die momentanen Kinder kennenlernen, will ich gar nicht anfangen. Tragisch - aber die Debilisierung der Kinder- und Jugendlichen-Unterhaltung ist wieder Material für ein eigenes Thema.

Glücklicherweise kann man die alten Stories im Netz lesen (wenn auch mit Wasserzeichen über den Illus - bäh) oder herunterladen (bessere Wahl). Es leben die alten Fans! Nostalgikern und Neugierigen durchaus zu empfehlen. Ich hatte auch bei einer erneuten Lektüre wieder Spaß dabei :D und staune, wie viele bizarre Regeln und Konformitäten es heute für Kinder/Jungendlichen-Comics gibt. Ich bin fester Überzeugung, das eine solche Serie heute nicht mehr umsetzbar ist - jedenfalls nicht für Kinder. Das war unsere Generation und scheinbar ist man der Meinung, dass unsere Kinder nicht mit solchen Helden aufwachsen sollten, wenn sie statt dessen (leidlich) verkappte Homosexuelle, grenzdebile Comicfiguren oder finstere Anti-Helden bekommen können. Ich glaube, unsere Jugend wird kaputtgeschützt.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich die Heftchen alle aufgehoben habe, und blättere die jetzt allesamt noch mal durch. *g*