02. März 2010

Batmans neue Abenteuer und das Leben nach Superman

Bin seit einiger Zeit mit der neuen DC-Animationsserie Batman: The Brave and the Bold angefixt. Sie geht auf die gleichnamigen Team-Up-Comics der Silver-Age-Superheldencomics aus den 60ern und 70ern zurück und ist somit in keiner Weise mit den letzten DC-Serien aus dem Hause Warner Brothers vergleichbar.

You need to a flashplayer enabled browser to view this YouTube video

Wenn man die alten Sachen kennt, ist der neue, humorige, Stil dieser Serie gewöhnungsbedürftig, wenngleich er den damaligen Comics sehr gerecht wird (inkl. der legendären One-Liners, ohne die kein Held ein Superheld wird). Außerdem ist es wirklich nett, ein paar alte (und furchtbar durchgeknallte) Charaktere wie Killer Moth, die Metal Men oder den Angler animiert zu sehen. Das Plastic Man so etwas wie ein Standardmitglied der Besetzung ist, hilft natürlich auch. ;) Oh, und dann ist da noch die komplett gesungene Episode mit dem Music Meister! Also ja, die Serie hat ihren Charme.

Das ist aber nicht der Grund, warum ich die Serie bemerkenswert finde. Wie ich bereits schrieb, haben DC die Rechte an Superman an die Siegel-Erben verloren. Der neue Superman-Film wird vermutlich der letzte große Auftritt des Stählernen sein. In den Cartoons taucht er schon jetzt nicht mehr auf. Damit ist diese Serie die erste DC-Superheldenserie ohne Superman. Seine Existenz wird impliziert und in einer Szene ist er als Statist kurz zu sehen, aber weder er noch seine Schurken haben einen wirklichen Auftritt, noch werden sie namentlich erwähnt. Es gibt sogar eine Episode in “The Brave and the Bold” in der das Fehlen eines Supermans auf die Schippe genommen wird, als Batman auf einem fremden Planeten landet, durch dessen Atmosphäre er Superkräfte bekommt und einen hochintelligenten Schurken namens “Rohtul” bekämpft. ;) Um die Bedenken des einheimischen Batman zu zerstreuen, sagt er in einer Szene zu ihm “Believe me, if an alien came to my world doing my job, I wouldn’t like it either”.

Das DC-Universum ohne Superman wird rechtschaffen bizarr. Ohne den Stählernen sind jetzt Wonder Woman, Captain Marvel und Green Lantern die Heavy Hitters und viele interessante Schurken ergeben erzählerisch keinen Sinn mehr: Lex Luthor, Brainiac, Metallo oder Bizarro, um nur die prominentesten zu erwähnen. Die ganze Batman-vs-Superman-Rivalität entfällt aus den Handlungsbögen und Metropolis ist eine weitgehend bedeutungslose Landmarke in der fiktiven Realwelt des DC-Universums. Ich habe das Gefühl, “The Brave and the Bold” ist auch ein wenig ein Testballon von DC/WB, um zu sehen, wie weit die anderen Helden popularitätstechnisch ohne den übermächtigen Pfadfinder auskommen. Es scheint ein Leben nach Superman zu geben.

Immerhin hat das Fehlen des zweiten großen Goldesels im Superheldenlager dazu geführt, dass mehr der unbekannteren Charaktere (wie Dr. Fate, Blue Beetle oder Plastic Man) Spotlight bekommen. Die Gründung einer eigenen Entertainment-Division im letzten Jahr sollte wohl auch dazu beitragen, dass DC ihre Lizenzen schneller für neue Filme, Serien und Spiele verwenden können (die Lizenzpolitik von DC ist ohnehin im höchsten Maße arkan). Green Lantern, Jonah Hex und sogar Lobo sollen es in der näheren Zukunft auf die Leinwand schaffen. Es ist schade, dass wir vermutlich auf Superman verzichten müssen, aber der Geek in mir freut sich gleichzeitig wie ein Schneekönig auf die Auftritte der “kleineren” Superhelden, die nun ein bisschen mehr Chance auf Rampenlicht haben. Und das ist wahrscheinlich – der Stählerne wird ein klaffendes Loch im DC-Mythos lassen, das auf die ein oder andere Weise gefüllt werden will.